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27.09.2026
Geniessen ist gesund – das schlechte Gewissen ist ungesund
Das Leben ist kein permanentes Optimierungsprojekt
Haben Sie die Seele in einer Cocktail-Bar baumeln lassen? Mit einem guten Freund eine Flasche Wein geleert? Am Kaminfeuer eine Zigarre geraucht? Ein wenig über die Stränge geschlagen? Sie haben sich etwas Gutes getan!
Immer mehr Leute haben ein merkwürdiges Verhältnis zum Genuss. Ein Glas Wein zum Essen, ein Feierabendbier mit Kollegen, ein Aperitif auf der Terrasse – und schon beginnt im Kopf die Gesundheitsrechnung: War das jetzt zu viel?
Der radikale Standpunkt der Weltgesundheitsorganisation, dass selbst geringste Mengen Alkohol der Gesundheit schaden und es beim Konsum keine unbedenkliche Menge gibt, ist politisch motiviert und keineswegs bewiesen. Ganz im Gegenteil gibt es zahlreiche Studie, die anderes vermuten lassen.
Gewiss, der hohe oder sehr regelmässige Konsum von Alkohol ist nicht harmlos und kann das Risiko verschiedener Krankheiten erhöhen. Ethanol ist zudem eine psychoaktive Substanz, die ab gewissen Dosen Gefühle, Gedanken und das Bewusstsein verändert.
Doch die rein körperliche Betrachtung greift zu kurz. Freude, Genuss und Geselligkeit sind wichtige Bestandteile von Gesundheit. Selbst die WHO definiert Gesundheit umfassend: als körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden.
Es geht also nicht nur um Leberwerte und Blutdruck. Genauso wichtig ist es, Freude zu empfinden, Beziehungen zu pflegen, sich zugehörig zu fühlen und das Dasein als lebenswert zu erfahren.
Wer ein Glas Wein trinkt und daran denkt, dass er das eigentlich nicht tun sollte, erlebt etwas anderes als jemand, der dasselbe Glas bewusst geniesst, sich mit Freunden unterhält, lacht, gut isst und für ein paar Stunden aus dem Alltag aussteigt.
Genuss bedeutet Entspannung, Gemeinschaft, Ritual, Sinnlichkeit und Lebensfreude. Menschen brauchen Beziehungen, Nähe, Zugehörigkeit und gemeinsame Erlebnisse.
Gesundheitsbewusstsein heisst nicht, jeden möglichen Risikofaktor aus dem Leben zu verbannen. Nicht selten führt dies nämlich zu einem zwanghaften Umgang mit «gesundem» Essen. Befeuert wird diese Fehlentwicklung durch die sozialen Medien, wo Lebensmittel erschreckend oft pauschal als «gut» oder «schlecht» bezeichnet werden.
Wer gelegentlich etwas zu viel schlemmt, ein Bier, ein Glas Wein oder ein Digéstif bewusst geniesst, dabei mit Menschen verbunden ist und anschliessend ohne Schuldgefühle weiterlebt, lebt gesünder als Leute, die das Leben als permanentes Optimierungsprojekt betrachten.
Tun Sie sich wieder einmal etwas Gutes. Gesundheit beginnt nicht erst dort, wo der Genuss aufhört!
Maurus Ebneter
Präsident Wirteverband Basel-Stadt
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Dossiers: Alkoholkonsum | Ernährung
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